Während alkoholfreie Produkte weiterhin das Wachstum innerhalb der expandierenden Kategorie der alkoholfreien/alkoholarmen Getränke anführen, gewinnt ein neues Segment still und leise an Dynamik: alkoholnahe Getränke.
Diese Produkte, die sich zwischen traditionellen alkoholfreien Alternativen und funktionellen Getränken positionieren, erweisen sich als überzeugende Chance – insbesondere bei jüngeren LDA+-Konsumenten wie Millennials und der Generation Z.
Laut der IWSR -Studie „No/Low-alcohol Strategic Study 2025“ stieg das Absatzvolumen alkoholfreier und alkoholarmer Produkte in den zehn größten Märkten weltweit im Jahr 2024 um 4 %, der Wert sogar um 6 %. Die Aussichten für alkoholfreie Produkte sind noch positiver: IWSR prognostiziert für 2025 ein Mengenwachstum von 9 % und bis 2029 eine beeindruckende Expansion von 36 %. Im Gegensatz dazu wird bei alkoholarmen Produkten ein leichter Rückgang erwartet, was die Dominanz vollständig alkoholfreier Alternativen weiter festigen dürfte.
Innerhalb dieses breiteren Trends verzeichnen alkoholhaltige Getränke – obwohl ihr absolutes Volumen im Vergleich zu alkoholfreiem Bier, Wein, Ready-to-Drink-Getränken und Spirituosen noch gering ist – eine bemerkenswerte Beschleunigung. Prognosen von IWSR deuten auf ein Mengenwachstum von 11 % im Jahr 2025 hin, was ihre wachsende Bedeutung im Markt für alkoholfreie und alkoholarme Getränke unterstreicht.
Steigendes Bewusstsein und jüngere Konsumenten treiben die Nachfrage an
Laut einer Verbraucherstudie von IWSR wird der Anteil derjenigen, die alkoholähnliche Produkte konsumieren, unter Nichttrinkern in den zehn größten Märkten im Jahr 2025 19 % erreichen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022. Noch auffälliger sind die Zahlen in den Vereinigten Staaten, wo der Anteil bei 33 % liegt, und bei der Generation Z, wo er sogar 30 % beträgt.
Dieses Wachstum steht in engem Zusammenhang mit dem steigenden Bewusstsein für psychische Gesundheit, Stressbewältigung und allgemeines Wohlbefinden. Wie Susie Goldspink , Leiterin der Abteilung für No/Low Insights bei IWSR, erklärt, legen Konsumenten heutzutage zunehmend Wert auf funktionale Vorteile wie Entspannung, Stimmungsaufhellung, Konzentration, besseren Schlaf und mehr Energie. Viele Marken aus dem alkoholnahen Segment reagieren auf diese Nachfrage, indem sie Produktreihen anbieten, die auf spezifische Wirkungen – wie „Entspannung“, „Beruhigung“, „Stimmung“ oder „Konzentration“ – abzielen, anstatt sich allein auf traditionelle, geschmacksorientierte Angebote zu konzentrieren.
Alkoholähnliche Getränke umfassen ein breites Spektrum an Produkten, darunter nicht-alkoholische Hanfgetränke (wie CBD-Getränke), nootropische und adaptogene Getränke für Erwachsene sowie alkoholfreie Produkte ohne funktionelle Wirkung, die alkoholische Signale imitieren. Dazu gehören pflanzliche oder bittere Getränke, Getränke auf Essigbasis, Weinalternativen, kohlensäurehaltige Tees und fermentierte Produkte.
Eine andere Kaufmotivation
Was alkoholfreie Produkte von anderen alkoholfreien Kategorien unterscheidet, ist die Konsummotivation. Anstatt primär die Alkoholaufnahme zu reduzieren, werden diese Produkte oft konsumiert, um bestimmte mit Alkohol verbundene Effekte nachzuahmen – wie Entspannung nach der Arbeit, ein leichtes Wohlgefühl oder Stimmungsaufhellung – ohne Rauschzustand.
Dies zeigt sich besonders deutlich bei der Generation Z. Zwar geben 60 % dieser Generation an, ihren Alkoholkonsum zu mäßigen, doch betrachten sie alkoholähnliche Produkte nicht unbedingt als Ersatz für eine Reduzierung des Alkoholkonsums. Vielmehr konsumieren sie diese Produkte aufgrund ihrer funktionellen Wirkung, wodurch sie den Konsum von alkoholischen und alkoholfreien Alternativen eher ergänzen als ersetzen.
Marktunterschiede und funktionale Präferenzen
Das Interesse an alkoholhaltigen Getränken variiert stark je nach Markt. Die USA und Kanada sind derzeit am weitesten entwickelt: Dort sind 85 % bzw. 78 % der Konsumenten, die keinen oder nur wenig Alkohol konsumieren, offen für solche Getränke. Im Gegensatz dazu ist die Offenheit in Märkten wie Japan (33 %) und Frankreich (43 %) deutlich geringer.
Die funktionalen Präferenzen variieren auch je nach Region. Japanische Verbraucher bevorzugen Produkte, die den Schlaf fördern, während deutsche Verbraucher eher auf energiespendende Produkte setzen. In Märkten wie Großbritannien, den USA, Kanada und Australien sind Entspannung, Energie und Stimmungsaufhellung die wichtigsten funktionalen Kriterien.
Hindernisse für weiteres Wachstum
Trotz ihres großen Potenzials stehen alkoholähnliche Getränke vor deutlichen Hürden. Die Verfügbarkeit bleibt die größte Herausforderung: 60 % der Käufer alkoholfreier Getränke geben die begrenzte Verfügbarkeit als Grund dafür an, dass sie alkoholähnliche Getränke nicht häufiger konsumieren. Auch die Preiswahrnehmung stellt ein Hindernis dar, da viele Verbraucher diese Produkte als teuer empfinden.
Darüber hinaus sorgt eine uneinheitliche Platzierung im Einzelhandel für Verwirrung. Alkoholische Getränke sind oft in verschiedenen Abteilungen zu finden – Softdrinks, alkoholfreie/alkoholarme Getränke, Energy-Drinks, Kühlregale oder Bereiche für unterwegs – was die Suche erschwert. Ein klareres und einheitlicheres Category Management seitens der Einzelhändler könnte entscheidend dazu beitragen, dieses aufstrebende Segment zu etablieren und auszubauen.
Eine Kategorie mit besonderem Potenzial
Obwohl sie sich noch in der Entwicklung befinden, stellen alkoholnahe Getränke ein einzigartiges und vielversprechendes Potenzial innerhalb des Ökosystems der alkoholfreien/alkoholreduzierten Getränke dar. Angetrieben von jüngeren Konsumenten, funktionalen Vorteilen und neuen Konsummotiven sind sie nicht nur eine Alternative zu Alkohol, sondern eine Kategorie mit eigener Identität und eigenem Wachstumskurs.
Quelle: IWSR
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