Die europäische Weinbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Nach einem außergewöhnlichen Jahr 2024 hat sich das Exportwachstum 2025 europaweit verlangsamt, was auf tiefgreifendere strukturelle Veränderungen hindeutet, die über zyklische Marktschwankungen hinausgehen.
Laut WineNews und offiziellen statistischen Quellen beeinflussen sinkender Konsum, Klimaschwankungen, geopolitische Instabilität und sich ändernde Generationengewohnheiten die Performance europäischer Weine auf den globalen Märkten.
Während das Gesamtbild herausfordernd ist, offenbart ein genauerer Blick auf die Exportdaten einen auffälligen Trend: Die „Farbe des Glases“ ändert sich.
Exportleistung im Jahr 2025: Ein Markt unter Druck
Laut Daten von S&P Global, analysiert von Del Rey AWM , sanken die EU-Exporte von Stillwein in Flaschen zwischen September 2024 und September 2025 auf 15,75 Milliarden Euro, ein Wertrückgang von 1,7 Prozent. Die Exportmengen gingen noch deutlicher zurück, nämlich um 3,2 Prozent auf 32 Millionen Hektoliter.
Rot- und Roséweine dominieren weiterhin absolut gesehen mit einem Exportwert von 10,3 Milliarden Euro und einem Anteil von 57 % am Gesamtvolumen. Allerdings geraten diese Kategorien zunehmend unter Druck. Trotz höherer Durchschnittspreise sanken ihre Mengen um 3,5 %, was zu einem Rückgang des Exportwerts um 2,5 % führte.
Bei Weißweinen hingegen zeigte sich ein anderes Bild. Obwohl die Mengen um 2,7 % zurückgingen, ermöglichten steigende Durchschnittspreise (+2,7 %), dass der Exportwert der Weißweine bei 5,4 Milliarden Euro blieb. Dieses Gleichgewicht zwischen Mengen- und Preisstabilität unterstreicht einen wachsenden strukturellen Vorteil.
Fünfzehn Jahre auseinanderlaufender Entwicklungen
Der Kontrast wird noch deutlicher, wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet. Von 2011 bis September 2025 sanken die EU-Exporte von Rot- und Roséweinen mengenmäßig um 19 %, während die Exporte von Weißweinen um 7,5 % zunahmen. Dieser Zuwachs, der die Mengenverluste bei Rot- und Roséweinen zwar nicht vollständig ausgleichen kann, unterstreicht dennoch eine anhaltende Nachfrageverlagerung.
Das Wertwachstum verstärkt diesen Trend zusätzlich. Im gleichen Zeitraum stieg der Exportwert von Weißwein um 167,7 %, verglichen mit 36,7 % bei Rot- und Roséweinen. Seit Ende 2022 hat sich diese Diskrepanz verstärkt: Rot- und Roséweine verloren 10 % an Wert, während Weißweine weiter zulegten.
Kategorien sind wichtig: Rebsortenweine, Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) und Weine mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.)
Die Entwicklung der Exportleistung variiert je nach Kategorie erheblich. Sortenreine Weißweine – gekennzeichnet nach Rebsorte und Jahrgang ohne geografische Angabe – verzeichneten das stärkste Wachstum. Von 2017 bis September 2025 stieg ihr Exportwert um fast 78 % auf 448,8 Millionen Euro, während das Exportvolumen um 29,7 % zunahm.
Auch die Weißweine mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) entwickelten sich positiv: Ihr Exportwert stieg um 60,7 % auf 3,7 Milliarden Euro, das Exportvolumen um 31,2 %. Rotweine mit g.U. dominieren zwar weiterhin wertmäßig (7,4 Milliarden Euro), ihr Wachstum fiel jedoch moderater aus.
Bei Weinen mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) zeigt sich ein kontrastierendes Bild. In den letzten acht Jahren verzeichneten Weißweine mit g.g.A. einen Wertverlust von 15 % und einen drastischen Mengenrückgang von 24,9 %. Im Gegensatz dazu konnten Rot- und Roséweine mit g.g.A. trotz eines Mengenrückgangs von 14 % einen Wertzuwachs von 8,6 % erzielen. Dies deutet darauf hin, dass Markenbekanntheit und Preispositionierung auch bei sinkenden Mengen für Rotweine mit g.g.A. weiterhin entscheidend sind.
Bei Weinen ohne Herkunftsangabe schnitten Weißweine erneut besser ab als Rotweine. Der Exportwert von Weißweinen stieg um 22,5 %, während der von Rotweinen um 5,8 % zurückging, wobei sich die Absatzmengen von Weißweinen als stabiler erwiesen.
Ein Markt im Wandel
Diese Zahlen bestätigen, dass Europas Weinexportlandschaft nicht nur schrumpft, sondern sich auch neu ausrichtet. Weißweine entsprechen zunehmend den modernen Verbrauchererwartungen an Frische, Vielseitigkeit und unkomplizierten Genuss. Rot- und Roséweine erzielen zwar weiterhin höhere Preise, stehen aber vor größeren Herausforderungen, ihre Absatzmengen und ihre Relevanz zu halten.
Abschließender Ausblick
Der europäische Weinmarkt im Jahr 2025 spiegelt eher einen Wandel als einen reinen Niedergang wider. Während die Gesamtexporte unter Druck stehen, verändern Weißweine das Verhältnis von Wert, Menge und Verbrauchernachfrage. Für Erzeuger und Exporteure ist es daher unerlässlich, diesen Wandel zu verstehen, um die nächste Phase der globalen Weinwirtschaft erfolgreich zu meistern.
Quelle: WineNews
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