Die Thermenregion: Österreichs uraltes Weinland südlich von Wien

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Fährt man südlich aus Wien heraus, beginnen die Weinberge fast sofort, wenn die Stadt dünner wird – sanft ansteigend in die letzten Ausläufer des Wienerwaldes, bevor sie südlich in Richtung des Kurortes Baden abfallen.

Dies ist die Thermenregion, ein Weinbaugebiet, dessen moderne Grenzen erst 1985 festgelegt wurden, dessen Reben aber eine über zweitausendjährige Geschichte haben.

Die Region in ihrer heutigen Form entstand durch das Weingesetz von 1985, das die historischen Weinbaugebiete Gumpoldskirchen und Bad Vöslau zu einer einzigen Appellation zusammenfasste. Ihre ungefähr 2.181 Hektar Weinberge erstrecken sich vom Stadtrand Wiens entlang eines Hügelkamms – gipfelnd am 675 Meter hohen Anninger, dem höchsten Punkt südlich von Baden – bevor sie jenseits der Stadt selbst auslaufen. Geografisch kompakt, teilt sich die Thermenregion dennoch klar in zwei unterschiedliche Identitäten, eine weiße und eine rote.

Nord und Süd: Eine Geschichte zweier Weine

Im Norden, um das malerische Dorf Gumpoldskirchen herum, ist Weißwein die Spezialität – fast ausschließlich auf zwei heimischen Rebsorten aufgebaut, Zierfandler (auch bekannt als Spätrot) und Rotgipfler. Dies sind Rebsorten, die nirgendwo sonst in Österreich, geschweige denn auf der Welt, eine nennenswerte Präsenz haben, und ihre traditionelle Mischung – Spätrot-Rotgipfler – bleibt einer der einzigartigsten Weißweine des Landes: strukturiert und alterungsfähig auf der Zierfandler-Seite, runder und duftender dank Rotgipfler.

Nach Süden hin verschiebt sich der Charakter der Region entschieden zum Rotwein, wo Sankt Laurent und Pinot Noir die führenden Sorten übernehmen. Es ist eine ungewöhnliche Aufteilung für eine einzelne österreichische Appellation – die meisten Regionen neigen stark in die eine oder andere Richtung – und es spiegelt subtile, aber reale Variationen im Mikroklima und Boden über die gesamte Länge der Thermenregion wider.

Diese duale Identität erhielt kürzlich eine formale Anerkennung: Seit 2023 dürfen Weine, die die Typizität der Region, rot oder weiß, ausdrücken, die Bezeichnung Thermenregion DAC tragen.

Wurzeln zweitausend Jahre tief

Der Weinbau in diesem Teil Niederösterreichs begann nicht mit einer modernen Klassifikation. Hier wachsen seit über zweitausend Jahren Reben, erstmals eingeführt von römischen Legionären, die in den Garnisonsstädten Carnuntum und Vindobona – der Siedlung, die zu Wien werden sollte – stationiert waren. Diese Soldaten brachten sowohl Stecklinge als auch Know-how mit und pflanzten im wahrsten Sinne des Wortes die Samen einer Tradition, die seitdem nie vollständig erloschen ist.

Die Thermenregion selbst verdankt ihren Namen den schwefelhaltigen Thermalquellen bei Baden – den "Thermae Pannonicae" der Antike – und im Mittelalter kam der Weinbau der Region unter der Obhut der Zisterziensermönche erst richtig zur Blüte. Ihr Einfluss ist noch heute in der Landschaft sichtbar: Die Anordnung der Weinberge und der Charakter der umliegenden Dörfer spiegeln deutlich den Einfluss der Abtei Cîteaux im Burgund wider, dem Mutterhaus des Zisterzienserordens – eine Erinnerung daran, dass österreichische und burgundische Weinbautraditionen seit fast einem Jahrtausend still im Dialog stehen.

Klima und Boden: Der pannonische Vorteil

Was die Thermenregion besonders macht, ist nicht nur die Geschichte – es ist die Geografie, die den Reben zugutekommt. Die Region steht unter dem Einfluss des pannonischen Klimas, geprägt von heißen Sommern, trockenen Herbsten und jährlich etwa 1.800 Sonnenstunden, geschützt vor kälterer Alpenluft durch die Masse des Wienerwaldes im Westen. Diese Wärme wird durch ein entscheidendes Detail gemildert: ständige Luftströmungen bewegen sich durch die Weinberge und trocknen die Trauben nach Tau oder Regen schnell ab – eine natürliche Abwehr gegen Fäulnis, die es den Winzern ermöglicht, die Reife weiter voranzutreiben, ohne die Fruchtqualität zu beeinträchtigen, besonders wertvoll für spätreifende Sorten wie Zierfandler.

Unter den Füßen dominieren lehmige Böden, die aus feinkörnigen Sedimentablagerungen entstanden sind, in weiten Teilen der Region, obwohl auch Bereiche mit zunehmend grobem Kies und Sand häufig sind. Diese Heterogenität – wärmespeichernde, gut entwässernde grobe Flecken neben reicherem Lehm – gibt den Winzern eine echte Flexibilität bei der Abstimmung von Sorte und Standort, ein Grund, warum sowohl zarte Weißweine als auch strukturierte Rotweine innerhalb derselben kleinen Appellation gedeihen können.

Eine Region, die ihr Publikum noch findet

Im Vergleich zum Wachauer Riesling oder dem Weinviertler Grünen Veltliner hat die Thermenregion nie ganz die gleiche internationale Bekanntheit erreicht – eine Tatsache, die ebenso sehr mit der schieren Seltenheit ihrer charakteristischen Rebsorten zu tun hat wie mit allem anderen. Zierfandler und Rotgipfler werden in so begrenzter Menge angebaut, dass der größte Teil des Weines Österreich nie verlässt. Doch für diejenigen, die bereit sind, ihn zu suchen, bietet die Thermenregion etwas wirklich Ungewöhnliches: ein Weinbaugebiet, in dem römische Straßen, Zisterzienserweinberge und zweitausend Jahre ununterbrochener Kultivierung in einem einzigen Glas zusammenlaufen – ob dieses Glas einen honigartigen, lagerfähigen Spätrot-Rotgipfler von den Hängen Gumpoldskirchens oder einen geschmeidigen, nach Kirschen duftenden Sankt Laurent aus dem südlichen Bereich nahe Bad Vöslau enthält.

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