In Österreichs Kamptal, wo der Fluss Kamp sich durch sanfte Weinberge und jahrhundertealte Dörfer schlängelt, verwandelt eine Familie seit über vier Jahrzehnten Trauben in einige der meist gefeierten Schaumweine des Landes.
Die Geschichte des Weinguts Steininger ist eine von wegweisendem Ehrgeiz, unerschütterlicher Hingabe an das Terroir und einer Tradition, die nun in die dritte Generation getragen wird.
Die Anfänge: Vom Mischbetrieb zu Schaumwein-Pionieren
Die Geschichte der Familie Steininger als eigenständiges Weingut beginnt 1980, als Karl und Brigitta Steininger den elterlichen Betrieb von Karls Eltern übernahmen. Damals war es noch ein landwirtschaftlicher Mischbetrieb – noch nicht das spezialisierte Weingut, das es werden sollte. Karl und Brigitta stammten beide selbst aus Winzerfamilien und brachten diese vererbte Leidenschaft in eine mutige Entscheidung ein: den Betrieb in einen spezialisierten Weinbau- und Schaumweinbetrieb umzuwandeln.
Diese Transformation erreichte 1989 einen entscheidenden Moment, als Karl und Brigitta begannen, mit der Méthode Traditionnelle zu arbeiten – dem gleichen akribischen, in der Flasche vergorenen Verfahren, das zur Herstellung von Champagner verwendet wird. Zu einer Zeit, als diese Methode in der Region noch selten war, wurden sie zu wahren Pionieren der Schaumweinproduktion im Kamptal, wobei sie besonderen Wert auf sortenreine Cuvées legten. Ihre konsequente Philosophie und ihr qualitätsorientiertes Denken bauten den Ruf des Weinguts stetig auf und etablierten Steininger als angesehenen Namen in der österreichischen Wein- und Schaumweinlandschaft.
Eine Philosophie, die in der Herkunft verwurzelt ist
Für die Familie Steininger war Wein nie nur ein Produkt – er ist Ausdruck von Persönlichkeit und Herkunft. Jeder Wein trägt den Stempel der Menschen, die ihn gemacht haben, und des Bodens, auf dem er gewachsen ist, ein Glaube, der das Weingut bis heute leitet. Wie die Familie es ausdrückt, entstehen große Weine nicht zufällig; sie erfordern das perfekte Zusammenspiel von Boden, Klima und Jahrgang, kombiniert mit Intuition, Erfahrung und persönlicher Vision.
Diese Philosophie ist untrennbar mit dem Kamptal selbst verbunden. Entlang der Ufer des Flusses Kamp gelegen, variiert das Terroir der Region dramatisch von Weinberg zu Weinberg. Die kiesigen Böden um Langenlois verleihen Struktur und Mineralität, während die sonnenverwöhnten Hänge von Zöbing reifere, ausdrucksstärkere Früchte hervorbringen. Anstatt diese Unterschiede zu einem einzigen Hausstil zu glätten, behandelt Steininger jede Parzelle als eine eigenständige Stimme – und kreiert Weine, die genau widerspiegeln, wo sie gewachsen sind.
Die nächste Generation übernimmt das Ruder
Im Jahr 2021 übergaben Karl und Brigitta die Verantwortung für das Weingut an ihre Tochter Eva und deren Ehemann Peter – ein Zeichen für den Übergang des Betriebs in die dritte Generation. Eva wuchs auf dem Familiengut auf und fühlte sich schon früh mit dem Weinbau verbunden. Nach Abschluss der Vino-HAK, einer Kombination aus Weinbauschule und Wirtschafts-Akademie, studierte sie International Business, bevor sie direkt in den Familienbetrieb zurückkehrte.
Peters Weg ins Familienunternehmen begann anders: Er startete als Angestellter unter Karl und Brigitta und übernahm nach und nach Verantwortung sowohl im Keller als auch in den Weinbergen. Was als berufliche Partnerschaft begann, entwickelte sich zu einem gemeinsamen Leben, und heute leiten Eva und Peter das Weingut gemeinsam – Eva verantwortet Organisation, Verkauf und Kundenbeziehungen, Peter leitet den Weinbau und die Kellerwirtschaft. Karl und Brigitta bleiben eng eingebunden und bieten ihre jahrzehntelange Erfahrung als das, was die Familie liebevoll „Backstage-Winzer“ nennt, während Eva und Peter die nächste Generation – ihre Söhne Julian, Florian und Sebastian – auf dem Familiengut aufziehen.
Steiningers Weinbautradition reicht auch über das Weingut selbst hinaus. Evas Schwester Anna führt zusammen mit ihrem Mann Martin Arndorfer das Weingut Arndorfer im nahegelegenen Strass, geleitet von einem intuitiven, naturnahen Ansatz des Weinbaus. Die jüngste der Familie, Lisa, studierte unterdessen International Wine Marketing an der Hochschule Geisenheim, nachdem sie ausgiebig gereist war, und kreiert nun zusammen mit ihrem Partner João Fonseca – einem portugiesischen Winzer – einen unverwechselbaren Likörwein im Port-Stil unter dem Namen „Kraftvoll“, der portugiesische Tradition mit österreichischem Charakter verbindet.
Méthode Traditionnelle: Handwerk ohne Abkürzungen
Im technischen Kern von Steiningers Schaumweinen steht ein unerschütterliches Bekenntnis zur Méthode Traditionnelle. Trauben werden handverlesen, um ihre Qualität zu schützen, und der Wein durchläuft seine entscheidende zweite Gärung in der Flasche selbst – der Prozess, der sowohl für die feinen, anhaltenden Bläschen als auch für den komplexen, nussigen Charakter verantwortlich ist, der durch den längeren Kontakt mit der abgestorbenen Hefe entsteht.
Es gibt keine Abkürzungen in diesem Prozess. Jeder Schritt, von der Ernte über das Rütteln bis zum Degorgieren, erfordert Geduld und Präzision, die über Jahrzehnte der Praxis verfeinert wurden. Es ist diese Hingabe an traditionelle Methoden, gepaart mit der Bereitschaft zur Innovation, wo es darauf ankommt, die Steiningers Schaumweine auszeichnet und ihnen sowohl in Österreich als auch im Ausland Anerkennung eingebracht hat.
Ein Portfolio, das auf Vielfalt aufbaut
Wo viele Schaumweinproduzenten ihren Fokus auf ein oder zwei Rebsorten legen, hat Steininger seine Identität um Vielfalt herum aufgebaut. Das Weingut vinifiziert Grüner Veltliner, Riesling, Sauvignon Blanc, Weißburgunder (Pinot Blanc), Chardonnay, Traminer, Muskateller (Muscat), Cabernet Sauvignon, Zweigelt und Pinot Noir – eine Bandbreite, die es der Familie ermöglicht, die volle Vielfalt des Kamptals auszudrücken, anstatt eine Einzelsorten-Geschichte zu erzählen.
Ein Erbe in Bewegung
Mehr als vier Jahrzehnte nachdem Karl und Brigitta ihren Familienbetrieb als eigenständiges Weingut neu erfunden hatten, zählt das Weingut Steininger heute zu den prägendsten Schaumweinproduzenten des Kamptals – ein Ruf, der nicht auf Größe, sondern auf einem ungebrochenen Bekenntnis zu Herkunft, Handwerk und Geduld beruht. Mit Eva und Peter, die das Weingut nun in die dritte Generation führen, und der erweiterten Familie, die den Weinbau in ihren eigenen Richtungen weiter erforscht, bleibt die Geschichte von Steininger, was sie immer war: der Beweis, dass großer Schaumwein niemals zufällig entsteht, sondern nur durch jahrzehntelange Perfektionierung der Details.
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