Wie kann ein junges Weingut bereits über 100 Jahre Erfahrung besitzen? Die Antwort liegt in der Kraft der Familie.
Das Weingut Gattinger wurde 2017 von Simon Gattinger gegründet, doch seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1912 zurück. Damals legte Simons Urgroßvater Anton den Grundstein für das familiäre Weinerbe und war Mitbegründer der Wachauer Winzergenossenschaft Dinstl-Gut. Heute treffen in der Loibner Kellergasse vier Generationen an Weinbautradition auf einen ausgesprochen modernen Ansatz.
Vier Generationen, eine Vision
Auf Anton folgte Leopold und dann Leo, der sich ausschließlich auf den Anbau von Trauben konzentrierte. Das Wissen der Familie über den Boden vertiefte sich mit jeder Ernte, doch die Weine wurden nicht unter dem eigenen Namen abgefüllt. Es war Simon, der diese Vision wiederbelebte und das überlieferte Fachwissen in ein frisches, zeitgemäßes Weingut verwandelte.
Simon baute auf diesem Fundament durch Studien, Praktika und eine frühe Leidenschaft für Wein auf. Im Jahr 2023 baute er den historischen Keller zu einer modernen Anlage mit Schwerkraft-Prinzip um. Die auf drei Ebenen konzipierte Anlage bewegt den Most ohne Pumpen – ein Ansatz, der Nachhaltigkeit mit Präzision verbindet. Für Simon geht es dabei weniger darum, einem Trend zu folgen, als vielmehr um Kontinuität: generationenübergreifendes Wissen zu nutzen, um Weine mit Zukunft zu schaffen.
Ein Familienprojekt
Das Weingut Gattinger bleibt eine echte Familienangelegenheit:
- Sissy und Leo, Simons Eltern, arbeiten weiterhin tatkräftig in den Weinbergen mit.
- Marlies Auer, Simons Partnerin, leitet Marketing und Kommunikation.
- Simon leitet den Keller und die Vision des Weinguts.
Gemeinsam verkörpern sie das, was das Weingut auszeichnet: Innovation, die in der Tradition verwurzelt ist.
Herkunft vor Zahlen
Für Simon wird großartiger Wein niemals durch Alkoholgehalte oder technische Werte definiert. Er wird durch seine Herkunft definiert. Jeder Weinberg erzählt seine eigene Geschichte, und seine Mission ist es, diese Nuancen im Glas einzufangen.
Alle seine Weinberge liegen in Unterloiben und Oberloiben, in der Gemeinde Dürnstein, dem östlichsten Teil der Wachau. Das pannonische Klima bringt Wärme, während die Donau und die nördlichen Wälder für erfrischende Kühle sorgen. Die Böden sind ebenso vielfältig: Gneis, Granit und der als Donauschotter bekannte Kies verleihen insbesondere den Weinen aus der Ried Klostersatz eine charakteristische Mineralität.
Die Wachau als Mosaik der Terroirs
In Simons Augen ist die Wachau keine einheitliche Landschaft, sondern ein Mosaik. Kreutles ist nicht Klostersatz. Höhereck ist nicht Loibenberg. Jede Lage spiegelt ihr eigenes Zusammenspiel von Boden, Höhenlage und Mikroklima wider.
Mit Grüner Veltliner und Riesling im Mittelpunkt seiner Arbeit übersetzt er diese Vielfalt in Weine, die klar, strukturiert und präzise, dabei aber immer ein Genuss sind.
Steile Terrassen, sorgsame Hände
Die Arbeit hinter diesen Weinen ist anspruchsvoll. Die Terrassen werden von Trockensteinmauern gehalten, und die Hänge sind so steil, dass Handarbeit unerlässlich ist – hunderte sorgfältige Arbeitsschritte während der gesamten Wachstumsperiode sind nötig. Diese Terrassen sind ikonisch, aber auch ökologische Rückzugsorte. Sie fungieren als einige der größten "Insektenhotels" in Österreich, fördern die Artenvielfalt und halten die Böden gesund.
Geduld im Keller
Seit 2021 nachhaltig zertifiziert, balanciert Simon minimalen Eingriff mit dem sorgsamen Schutz der Reben. Er glaubt an Geduld: Weine auf der Feinhefe reifen lassen oder ihnen eine längere Maischestandzeit geben, wenn der Wein danach verlangt. Jedes Detail ist gewollt, und jede Entscheidung zielt auf Weine ab, die authentisch, raffiniert und einprägsam sind.
Weine, die zum zweiten Glas einladen
Das Ergebnis sind Weine mit Finesse, Präzision und Freude, Weine, bei denen man sagt: "Noch ein Glas, bitte!"
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